Patrick Hahn dirigiert «Hänsel & Gretel»

Posted: 26. November 2018

Seine noch junge Karriere gleicht selbst einem Märchen, nun dirigiert Patrick Hahn in Grafenegg Auszüge aus «Hänsel & Gretel» von Engelbert Humperdinck. Der 23 Jahre alte Dirigent, Komponist und Pianist wurde in Graz geboren. Für seine Kompositionen und Auftritte wurde er bereits in New York, Chicago, Salzburg und Wien ausgezeichnet. Als Dirigent arbeitet er mit Orchestern wie den Münchner Philharmonikern, dem Luzerner Sinfonieorchester, der NDR Radiophilharmonie und dem Israel Chamber Orchestra sowie an der Bayerischen Staatsoper, wo er 2019 an einer Neuproduktion der «Salome» mitwirkt.

INTERVIEW

«Hänsel & Gretel» wird gerne in der Advent- und Weihnachtszeit gespielt, was verbindet Sie mit dem Werk?
Patrick Hahn: Ich habe «Hänsel & Gretel» im Gegensatz zu vielen anderen Kindern erst im Laufe meines Studiums kennengelernt und auch recht spät erstmals in voller Länge auf der Bühne gesehen. Allerdings hat dieses Werk einen besonderen Reiz, den man nur bei wenigen Stücken beobachten kann: Durch die meisterhafte Verwendung einiger Volksliedmelodien erweckt dieses Werk ziemlich bald den Eindruck von Vertrautheit und ist bestimmt keine Oper, für die man sich als Zuhörer langwierig einen Zugang erarbeiten muss. Einige Melodien sind sogar derart populär, dass sie sich im Laufe der Zeit als Volksmelodien im Gedächtnis unseres Kulturkreises verankert haben, obwohl sie von Humperdinck eigens für diese Oper komponiert wurden. Das beste Beispiel dazu ist wohl der berühmte «Abendsegen» oder «Brüderlein, komm tanz mit mir»: Musik, die fast ein jeder von irgendwo her kennt und liebt, aber vielleicht nicht konkret dieser Oper zuordnen könnte.

Humperdinck hat seine Oper in ironischer Anspielung auf Richard Wagner ein «Kinderstubenweihfestspiel» genannt. Wie verstehen Sie diese Aussage?
Hahn: Als eine neckische, aber liebevolle Hommage! Humperdinck war ja ein großer Verehrer Richard Wagners und als dessen musikalischer Assistent für die Uraufführung des «Parsifal» 1882 – von Wagner als Bühnenweihfestspiel bezeichnet – auch musikalisch maßgeblich von ihm beeinflusst. Obwohl sich Humperdinck in «Hänsel und Gretel» einer vollkommen eigenständigen Musiksprache bedient, ist der Einfluss Wagners spür- und hörbar. Entstanden ist eine sehr dichte und detailverliebte Partitur, die seit ihrer Uraufführung 1893 (also ein Jahrzehnt nach Wagners Tod) Jung und Alt gleichermaßen fasziniert – so kann man Humperdincks durchaus liebevolle Bezeichnung des «Kinderstubenweihfestspiels» als indirekten Nachruf und Hommage an sein großes Vorbild verstehen.

Wie verbringen Sie Weihnachten in der Regel musikalisch?
Hahn: Ich versuche, die Weihnachtsfeiertage so gut es geht im Elternhaus in der Steiermark zu verbringen. Mein Vater hat auch noch am 24. Dezember Geburtstag – insofern ist bei uns Weihnachten immer quasi ein doppelter Grund zum Feiern. Zu Weihnachten gehört für mich auch eine besondere CD, auf der eine Mischung an diversen recht skurrilen Weihnachtswerken zu finden ist. Eine recht alte, dem amerikanischen Markt entsprechende CD: Dicker roter Weihnachtsmann am ausgeblichenen Cover, eine dementsprechend opulente und gleichsam skurrile Mischung aus Bing Crosby, Johnny Cash oder dem Glenn Miller Orchestra. Und darauf zu finden ist auch ein ungewollt komisches Stück, gespielt von einem Blockflötenquartett. Irgendwie hat dieses konkrete Lied eine ganz eigene Komik gewonnen und gehört nunmehr zum alljährlichen Ritus zu Weihnachten. Wie eben mancherorts «Last Christmas» in Endlosschleife durch die Lautsprecher der Einkaufshäuser schallt, tun es bei uns diese Blockflöten – und haben dabei oftmals den selben nervtötenden, aber aus Tradition dann doch wieder belustigenden Effekt!

Wir bemühen uns auch jedes Jahr unterm Weihnachtsbaum ein paar Weihnachtslieder zu singen, aber da meine Eltern keine Musiker sind und bei meinen beiden Brüder die Hobby-Musik mehr und mehr in den Hintergrund tritt, hält sich unser Talent als Familienmusik auch sehr in Grenzen…Mein liebstes Weihnachtslied stammt übrigens von einem meiner absoluten Lieblingskomponisten, nämlich Felix Mendelssohn-Bartholdy: «Hark! the Herald Angels Sing!» Herrlich!!

Sie sind selbst Komponist einer Kinderoper. Was darf man sich unter der «Frittatensuppe» vorstellen?
Hahn: Ach, die «Frittatensuppe» war der Anfang meiner Karriere sozusagen…! Das war nach einer Aufführung der «Zauberflöte» in Graz – ich sang einen der drei Knaben – als meine beiden Knabenkollegen und ich die für uns naheliegende Idee hatten, doch selbst eine Oper zu schreiben. So kam ins Libretto alles, was Zwölfjährige für Opernmaterial befinden; also Liebe, Eifersucht, Mord und natürlich ein tragisches, blutrünstiges Finale. Ich hab gleichzeitig die Musik zu diesem einstündigen Singspiel komponiert, und das wurde dann auch tatsächlich in zwei Produktionen aufgeführt, bei der Uraufführung 2008 stand ich auch das erste Mal als Dirigent vor einem Orchester. Zwölfjährig, aber mit der naiven Überzeugung, dass das schon klappen wird. Das hat es dann auch, wobei das Stück natürlich nie als Kinderoper konzipiert war. Es war jedenfalls eine sehr prägende Erfahrung, wie ich erst später realisiert habe! Aber jedenfalls ist das Stück ob der komisch-dramatischen Handlung zwar als Oper von – aber nicht so sehr – für Kinder geeignet.

 

Konzert-Info

Weihnachtskonzert

Grafenegg Auditorium

TONKÜNSTLER-ORCHESTER NIEDERÖSTERREICH
CHEN REISS, Sopran
KATE LINDSEY, Mezzosopran
HÅKAN HARDENBERGER, Trompete
PATRICK HAHN, Dirigent

Programm

Louis Spohr: Ouvertüre zur Oper «Der Alchymist»
Joseph Haydn: Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur Hob. VIIe:1
HK Gruber: «3 MOB Pieces» für Solo-Trompete & kleines Orchester
Engelbert Humperdinck: «Hänsel und Gretel» Märchenspiel in drei Bildern, Auszüge

Karten: Weihnachtskonzert I & II