Von fremden Ländern und Menschen

Posted: 7. Februar 2019

Von Mirjana Plath

Musikalische Postkarten und Reisen in die Ferne gibt es in der Musikgeschichte zuhauf. Wenn am 23. Februar Camille Saint-Saëns‘ «Ägyptisches» Klavierkonzert in Grafenegg erklingt, ist das nur eines unter vielen Zeugnissen davon, wie viel Komponisten in den vergangenen Jahrhunderten gereist sind.

Bereits im 17. Jahrhundert waren Reisen ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und auch der Karriereförderung für Komponisten. Wer international wahrgenommen werden wollte, musste selbst in andere Länder reisen und seine Musik dort vorstellen. Außerdem konnten nur im Ausland wirklich authentische Eindrücke von fremder Musik gesammelt werden. Georg Friedrich Händel wusste die Vorteile des Reisens für sich zu nutzen: Nach seinen Lehrjahren in Italien feierte er große Erfolge in England – kein Wunder, wo er von der aktuellen Mode der italienischen Opera Seria profitieren konnte. Ein willkommener Nebeneffekt war wohl auch, dass Händel in unterschiedlichen Städten seine älteren Werke wiederverwenden und neu verkaufen konnte: Er kopierte seine eigene Musik und übernahm Arien aus früheren Opern, um sie in einem neuen Werk mit einem anderen Text einzubinden.

Spannende und vor allem vielfältige Einblicke in die Komponistenreisen im frühen 19. Jahrhundert kann man von Felix Mendelssohn Bartholdy erhalten. Dank vieler Briefe und Tagebucheinträge sind die Reisen des Komponisten wunderbar dokumentiert. Er deckte bei seinen Exkursionen ganz ähnliche Regionen wie Händel ab: Auch er machte sich auf den Weg nach Italien und Großbritannien, um seine Karriere voranzubringen. Seine Eindrücke hielt er in Kompositionen fest – unter anderem in seiner «Italienischen» Symphonie und seiner Konzertouvertüre «Die Hebriden», in der er ein musikalisches Landschaftsbild der schottischen Inseln zeichnete.

Emmanuel Chabrier, dessen «Bourrée fantasque» im kommenden Schlossklänge-Konzert gespielt wird, ließ sich zu Lebzeiten ebenfalls vom Fernweh anstecken. 1882 begab er sich mit seiner Frau auf eine dreimonatige Spanienreise. Das Ergebnis der Reise ist heute weltbekannt: In der Orchester-Rhaposdie «España» ließ sich der Komponist von Aufführungen iberischer Tänze inspirieren:

Der Exotismus des 19. Jahrhunderts ist auch im Œvre von Camille Saint-Saëns zu spüren. Er thematisierte in seiner Musik viele andere Länder, beispielsweise Algerien, Spanien, Portugal, Japan, Persien und auch den Kongo. Er war ein sehr umtriebiger Mensch, der viel Zeit fern von seiner französischen Heimat verbrachte. Von 1890 bis 1904 besaß er nicht einmal einen festen Wohnsitz. Auch wegen seiner schwachen Gesundheit entfloh er den kalten Wintern in Paris und reiste regelmäßig in die wärmeren Klimazonen von Afrika und dem Mittleren Osten. Dort widmete er sich jedoch keineswegs dem Müßiggang, sondern nutzte seine Aufenthalte, um sich von den neuen Eindrücken inspirieren zu lassen. Werke wie die Suite algérienne op. 69 und die Fantasie für Klavier und Orchester op. 89 mit dem Titel «Afrika» zeugen von seiner Faszination für die Kultur Nordafrikas.

Sein Fünftes Klavierkonzert beendete Saint-Saëns 1896 in Kairo und Luxor. Nach der Uraufführung im gleichen Jahr waren die Kritiker begeistert von der Komposition. Schon bald erhielt das Konzert den Beinamen «Das Ägyptische». Er selbst beschrieb den zweiten Satz als «eine Art Orientreise, die in der Episode in Fis-Dur sogar bis zum Fernen Osten vordringt. Die Passage in G-Dur ist ein nubisches Liebeslied, das ich von Schiffern auf dem Nil singen gehört habe, als ich auf einer Dahabieh den Strom hinuntersegelte.» Wie sich Camille Saint-Saëns‘ Eindrücke von Ägypten in dem Klavierkonzert genau anhören, zeigen die Tonkünstler und Solist Nicholas Angelich im kommenden Konzert in Grafenegg. Einen kleinen Vorgeschmack gibt’s hier:

 

Konzert-Infos:
23. Februar 2019 / 18.30 Uhr
Grafenegg / Auditorium

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Nicholas Angelich, Klavier
Jun Märkl, Dirigent

Programm:
EMMANUEL CHABRIER: «Bourrée fantasque» für Orchester (Vollständige Orchesterfassung: Robin Holloway)
CAMILLE SAINT-SAËNS: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 F-Dur op. 103 «Das Ägyptische»
IGOR STRAWINSKI: Suite aus dem Ballett «Petruschka» (Fassung 1947)

 

Kartenbestellung & Info